Exkursion zu Stuttgarter Einrichtungen

Am 5. Juli besuchte unser Projekt mit einer kleinen Gruppe drei Stuttgarter Einrichtungen, die zum Thema Männer- und Väterarbeit aktiv sind. Der Nachmittag bot ein dichtes, informatives und teilweise nachdenklich stimmendes Programm mit vielerlei Anregungen für die eigene Praxis der Familienbildung.

 

Beim Evangelischen Männer-Netzwerk Württemberg berichtete uns Stephan Burghardt, Referent und Geschäftsführer des EMNW, der „Männer-Abteilung“ der Landeskirche, über Erfahrungen mit Väterarbeit und Vater-Kind-Angeboten. Klassiker seit Jahren sind Kanu-Wochenenden, daneben gibt es z.B. Esel-Trekking, ein Steinmetz-Wochenende und vieles mehr. Was Väter dabei interessiert ist etwas zu tun, was sie alleine nicht machen können oder würden und was einen Mehrwert in der Gruppe hat.

Zuletzt setzte das EMNW einen Schwerpunkt auf Kindergartenväterarbeit mit Angeboten vor Ort; dabei gab es auch einen ersten Versuch mit einer kompakten Qualifizierung für Väterarbeit bzw. zur Leitung von Vater-Kind-Angeboten.

Aus der Auseinandersetzung mit Fragen moderner Vaterschaft ist ein Grundlagenpapier „Vatersein heute“ entstanden sowie die Broschüre „Vater sein!“, die z.B. bei Taufgesprächen an Väter weitergegeben wird.

Vatersein

 

Beim Elternseminar im Jugendamt der Landeshauptstadt Stuttgart empfingen uns Peter Wahl, der Leiter des Elternseminars, Matteo Conti als Verantwortlicher für die Väterarbeit und weitere Honorarmitarbeiter. Sie informierten uns über die vielfältigen Angebote des Elternseminars – insbesondere das Elternseminar für Väter, die Vater-Kind-Zeit (VaKiZ), das Elternseminar für alleinerziehende Mütter und Väter und für Mütter und Väter mit  Zuwanderungsgeschichte. Das Elternseminar hat eine deutlich interkulturelle Ausrichtung und einen präventiven Auftrag. Insofern wendet es sich insbesondere an Eltern im Migrationskontext, an Eltern in Bildungseinrichtungen, an bildungsbenachteiligte Familien und Familien in prekären Lebenslagen. Für Väter wird dies in drei Zugängen umgesetzt:

  • separates Väterprogramm
  • Öffnung von Regelangeboten für Väter
  • zielgruppenspezifische Angebote für Väter in den Stadtteilen

Der Themen-Schwerpunkt „Väter“ wird bereits seit 1994 gesetzt. Heute liegt der Väteranteil bei allen Angeboten im Durchschnitt bei 15 Prozent, und immerhin jede achte Honorarkraft ist ein Mann; bei den Angestellten liegt der Männeranteil bei einem Viertel. Von Vätern besonders nachgefragt sind Vater-Kind-Angebote (bis etwa 14 Jahre), die sogenannten „Pubertätskurse“ sowie Angebote für Trennungsväter. Diese Angebote werden dezentral in den Stadtteilen und häufig als „Geh-Struktur“ und in Kooperation mit anderen Institutionen organisiert.

Als Gelingensfaktoren für diesen Ansatz wurden benannt:

  • Väter machen die Erfahrung: „Mein soziales Netz wird größer.“
  • interkulturelle und geschlechterbezogen gemischte Tandems als Kursleitung
  • eine interkulturelle und geschlechterbezogene Personalpolitik (um z.B. den Anteil von Migranten und „Fachvätern“ zu erhöhen)
  • dezidierte Anstrengungen, um  Männer als Honorarkräfte zu gewinnen und zu halten – z.B. Anerkennung (strukturell, organisatorisch, finanziell), Partizipationsmöglichkeiten, männerspezifische Fortbildung
  • Männer- und Väternetze nutzen

 

Beim der Fachberatungsstelle Gewaltprävention im Verein Sozialberatung Stuttgart ging es zuletzt um das Thema Gewaltschutz für Männer. Jürgen Waldmann, Berater und Sozio-Therapeut im Bereich  Gewaltschutz für Männer / Häusliche Gewalt informierte uns darüber, wie viele und in welcher Weise Männer in Beziehungen psychische und körperliche Gewalt erleiden und wie sie damit umgehen. 2005 veröffentlichte das BMFSFJ eine Pilotstudie zum Thema, auch der Gender-Datenreport aus dem gleichen Jahr ging auf das Thema ein. Die Notwendigkeit von Gewaltschutz und Beratung für Männer wird dennoch bis heute vielfach in Frage gestellt.

Während Täterarbeit im Bereich Häusliche Gewalt inzwischen schon eine gewisse Tradition hat (z.B. Stuttgarter MännerinterventionsstellenSTOP Stuttgart seit 2001), gibt es eine Anlaufstelle für männliche Opfer in Stuttgart erst seit 2014. Männer als Opfer häuslicher Gewalt erfahren etwas seltener unmittelbar körperliche als häufiger psychische Gewalt. Diese nehmen sie selbst (wie auch ihr persönliches und gesellschaftliches  Umfeld) oft nicht ernst genug: „Ein Mann ist kein Opfer, weil er stark genug ist, das auszuhalten.“ Diese Haltung ist auf Dauer jedoch keine gute Lösung; sie führt selbst wiederum nicht selten zu problematischen (z.B. selbst- und fremdgefährdenden oder gewaltförmigen) Bewältigungsversuchen.

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass Männer „unter Druck“ häufig Väter sind. Ein wichtiger Ansatzpunkt in der Beratung ist deshalb neben der Stärkung persönlicher Ressourcen immer auch die Reflexion der Paarbeziehung und -dynamik und der familiären Situation. In der Diskussion ist deshalb neuerdings die Einrichtung einer Schutzwohnung für Männer als Rückzugsort zur Klärung. Außerdem geht es im Projekt nicht zuletzt um Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit: Ein Impuls, sich Hilfe, Unterstützung und Beratung zu holen, setzt voraus, dass entsprechende Angebote bekannt sind – und dass männliche Opfererfahrungen nicht ignoriert oder belächelt werden.

 

 

 

Väterbildung an der Gmünder Volkshochschule

Freizeit- und Bildungsangebote für Väter und deren Nachwuchs gibt es reichlich an der Gmünder VHS, einem der sechs Standorte im Projekt „Väter in der Familienbildung“. Die entsprechenden Kurse, Vorträge und Seminare sind speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche von modernen Vätern zugeschnitten. Und diese haben nicht zuletzt Lust auf gemeinsame Erlebnisse mit ihren Kindern.

Eine Vielzahl praktischer Angebote im vergangenen Semester – wie Kochen, Selbstverteidigung oder ein Schweißkurs – versprachen spannende Herausforderungen, jede Menge Spaß und nicht zuletzt die Stärkung der Vater-Kind-Beziehung. Das Beste daran: Egal ob Trommelbau, Comiczeichnen oder Arbeiten mit Ton – die Vorbereitung übernimmt die Kursleitung. Auch Trainings zu den Themen Familie und Vaterschaft wurden angeboten, denn: Familie, Beruf und Beziehung in Einklang zu bringen, ist auch für Väter ein Thema ! Deshalb vermitteln ausgewählte Experten praktische Tipps zur Verbesserung der Kommunikation sowie der Lebens- und Beziehungsqualität.

Auch im kommenden Semester gibt es wieder zahlreiche Angebote: Vorträge und Seminare für Väter, sowie viele Vater-Kind-Workshops und Kurse. Neben neuen Highlights wie Aikido-Selbstverteidigung und Workshops zum sicheren Umgang mit PC und Internet bietet die Gmünder VHS wieder den sehr beliebten Vater-Kind-Kochkurs an.

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Nähere Informationen zum vielseitigen Väter-Programm erhalten Interessierte bei der Gmünder VHS unter 07171 92515-0 oder www.gmuender-vhs.de.

Peter Knoll, Elternbildung der Gmünder VHS

Nordrhein-Westfalen: Kampagne „Vater ist, was du draus machst!“

„Vater ist, was Du draus machst“ ist der Titel der Väterkampagne, die NRW-Familienministerin Christina Kampmann am 28. Juni 2016 mit einer groß angelegten Plakat-Aktion gestartet hat. In fünf nordrhein-westfälischen Städten – Köln, Düsseldorf, Essen, Bielefeld, Münster – werben Motive für ein neues Väterbild, für eine aktive Vaterschaft und eine Balance zwischen Berufs- und Familienleben.

Parallel zu der Werbung für das neue Vaterbild erprobt das Ministerium mit dem Projekt „Väternetzwerk NRW“ in fünf nordrhein-westfälischen Unternehmen flexible und vätergerechte Arbeitszeitmodelle. Außerdem wurde eine Social-Media-Kampagne gestartet.

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Weitere Informationen: www.vaeter.nrw

3. Internationale Konferenz „Männer und Gleichstellungspolitik“ (ICMEO) am 17. und 18.10.2016 in Luxemburg

Thema der Fachkonferenz: Who cares? Who shares? Männer als Akteure und Adressaten in der Gleichstellungspolitik

  • Ort: Esch / Belval in Luxemburg
  • Veranstalter: Ministerium für Chancengleichheit des Großherzogtums Luxemburg

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Das Ministerium für Chancengleichheit des Groβherzogtums Luxemburg, mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland, organisiert am 17. und 18. Oktober 2016 die 3. Internationale Konferenz „Männer und Gleichstellungspolitik“ (ICMEO) zum Thema „Who cares? Who shares? Männer als Akteure und Adressaten in der Gleichstellungspolitik“ in der MAISON DU SAVOIR in Esch / Belval (Luxemburg).

Ein detailliertes Programm steht bereits online (PDF deutsch hier), ebenso ein Booklet und ein aufschlussreiches Grundlagendokument, welches Markus Theunert (Zürich) verfasst hat. Die Konferenzsprachen sind englisch, deutsch und französisch. Eine Übersetzung von Konferenzbeiträgen in diese Sprachen ist gewährleistet.

Während der erste Tag eher politisch orientiert ist, stehen am zweiten Tag auch Workshops zu verschiedenen Praxisfeldern auf dem Programm:

  1. Männer in der Kindererziehung
  2. Männer in der Pflege älterer und pflegebedürftiger Menschen
  3. Männer in den CARE-Berufen
  4. Männer in der Freiwilligenarbeit
  5. Männer und medizinische Selbstfürsorge
  6. Männer und Haushalt

Voreinschreibungen können auf der Webseite des Ministeriums für Chancengleichheit vorgenommen werden.

DJI Impulse 1/2016: Neue Väter – Legende oder Realität?

Ein wenig seltsam mutet es an, dass die aktuelle Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse des Deutschen Jugendinstituts mit einer so schlichten Gegenüberstellung wie „Legende oder Realität“ und der entsprechenden Ja-Nein-Frage angekündigt wird: „Gibt es sie wirklich, die aktiven jungen Väter, die eine partnerschaftliche Beziehung führen, ihre Kinder großziehen und nebenbei das Familieneinkommen verdienen?“ Schon etwas anders würde es klingen, wenn danach gefragt wäre, wie viele dieser Väter es gibt bzw. wie viele Väter solche Leitideen teilen – und wie es ihnen gelingt, sie umzusetzen.

Ansonsten ist das Magazin, das mit Überblicksartikeln und Berichten über DJI-Studien den Wandel der Vaterrolle untersucht wie ebenso die Bedingungen, die ihn fördern oder bremsen können, natürlich lesenswert und ein guter Einstieg in die aktuelle Väterforschung – was schon ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis zeigt:

  • Johanna Possinger: Gefangen in traditionellen Rollenmustern. Zwar wünschen sich viele Männer mehr Zeit mit der Familie, sie bleiben aber meist in der Ernährer-Rolle verhaftet. Warum ihnen der Wandel so schwer fällt.
  • Interview mit Michael Meuser: „Der neue Vater entpuppt sich erst.“ Der Geschlechtersoziologe über neue Vorstellungen von Vaterschaft und Männlichkeit
  • Claudia Zerle-Elsäßer, Xuan Li:  Das Vereinbarkeitsdilemma. Wie die Politik dabei helfen könnte, Vätern mehr Freiräume für die Familie zu schaffen.
  • Karin Jurczyk: Atmende Lebensläufe ermöglichen Männer und Frauen müssten zwischen ihrem 30. und 40. Lebensjahr entlastet werden. Davon könnten auch die Arbeitgeber profitieren.
  • Birgit Jentsch, Michaela Schier: Zwischen Rebellion, Pragmatismus und Sicherheit. Aktiven Vätern stehen in Deutschland viele Barrieren im Weg. Sie befinden sich in einem schwierigen Abwägungsprozess.
  • Interview mit Lieselotte Ahnert: „Mütter müssen Väter machen lassen.“ Die Entwicklungspsychologin über das Rollenverhalten von Eltern und die Kriterien einer guten Vater-Kind-Beziehung
  • Anna Buschmeyer: Vorsichtige Familiengründer. Die meisten jungen Männer wollen Kinder, aber nicht alle werden Väter. Ein DJI-Projekt untersucht den Entscheidungsprozess.
  • Christoph Liel, Andreas Eickhorst: Gemeinsam Risiken vermeiden. Eine Studie des DJIs analysiert, wie unterschiedlich Väter und Mütter mit psychosozialen Belastungen umgehen.
  • Christoph Liel: Wenig Hilfe für Väter. Wenn Eltern bei der Kindererziehung Unterstützung brauchen, richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Mutter – eine verschenkte Chance.
  • Marina A. Adler, Karl Lenz: Väter und Familienpolitik im internationalen Vergleich. Eine länderübergreifende Studie zeigt, dass die Kluft zwischen Wünschen und tatsächlichen Lebensrealitäten von Vätern nicht überall gleich groß ist.

Bestellung / Abonnement von DJI Impulse per E-Mail unter impulse@dji.de